Nun doch noch mal Grünkohlzeit?! (oder: Diu Tôren sprechent: snîâ snî!, Walther v.d. Vogelweide)

Deftiges nach dem Winterspaziergang

Jetzt hat er uns doch noch eingeholt, wo schon die Krokusse an warmen Stellen aufgeblüht waren, von meinen Lieblingen, den tapferen kleinen Winterlingen ganz zu schweigen. Wenigstens kann niemand klagen, wir hätten überhaupt keinen richtigen Winter gehabt! Die Kinder konnten die Schlitten und Schlittschuhe rausholen, Winterspaziergänge am verschneiten Deich mit 1a Sonnenuntergängen waren ein beliebtes Vergnügen, schließlich war es ja trotz allem schon deutlich länger hell und man hatte was vom Nachmittag.

Am Abend dann anschließend vorm warmen Holzfeuer oder am Kachelofen sitzen. Und Kakao ist dann auch schon mal zu rechtfertigen, denn der wärmt von innen. Das ideale Getränk nach einer Stunde Eisvergnügen, wie sie auch von Schulklassen auf den sicheren Eisflächen an der Husumer Aue und in Schobüll genutzt wurden.

Leider kam es dann am vergangenen Wochenende zu einer „Planübererfüllung“ des russischen Hochs. Bei Minusgraden unter 10, ja fast bis 20°C unter Null – den Fahrtwind mitberechnet- wurden zahlreiche Autofahrer  böse überrascht, denn ihnen froren die Scheibenwaschanlagen ein. Wer seinen Wassertank nicht mit dem entsprechenden Frostschutzmittel richtig voll gefüllt hatte, musste damit rechnen, dass der Antriebsmotor kaputt fror. Auf der A7 konnte man alle Nas’ lang auf dem Seitenstreifen parkende Fahrzeuge ausmachen, deren Fahrer oder Beifahrer damit beschäftigt waren, die von Salz verspritzten Scheiben zu reinigen um dann wieder ein paar hundert Meter fahren zu können, bis wieder alles zugespritzt worden war. Nervtötend, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann.
Da ist es doch tröstlich, wenn man sich nach all den Strapazen etwas Deftiges gönnen kann, das sich zudem wunderbar vorkochen lässt. Was sich auch empfiehlt, denn sonst ist es doch mit einer Menge Arbeit und Zeitaufwand verbunden.

Mein Grünkohl

2kg frischer Grünkohl (evtl. gerupft)
6 Zwiebeln
2kg Kassler (mit Knochen)
2 Lorbeerblätter
2 Würfel vegetarische Brühwürfel (ohne Glutamat)
Pfeffer, Salz
nach Bedarf Mettenden (von Aldi) oder Kochwurst von einem guten Schlachter, es gibt auch leckere dünne!
Evtl. 1 kleine Schweinebacke
15-20 extra kleine festkochende Grünkohlkartoffeln
2-3 Esslöffel Zucker
Sonnenblumenöl
Reichlich mittelscharfer Senf (Thomy Delikatess)

Den Grünkohl in der Spüle gründlich durchwaschen und rupfen. Portionsweise in Wasser (ohne Gewürze) abkochen (3 Minuten blanchieren), dann im Durchschlag abtropfen lassen und ausdrücken, damit alle Bitterstoffe raus sind.
In zwei großen Töpfen (5l) Zwiebeln in Öl (manche bevorzugen Schmalz) glasig dünsten und dann mit Wasser ablöschen. Je einen Brühwürfel darin auflösen, Pfeffer und Salz hinzugeben und den Grünkohl in der Flüssigkeit so lange wie möglich kochen.
Dann den auf einen Topfinhalt zusammengekochten Kohl nochmals mit 1/4l Brühe im Dampfdrucktopf (Schnellkochtopf) ca. 20 Minuten durchkochen.
So lässt sich der abgekühlte Kohl einfrieren.
Und nach dem Auftauen (oder sofort) folgendermaßen weiterverarbeiten:

Im Schnellkochtopf den Kassler in heißem Öl von allen Seiten scharf anbraten, pfeffern, die Zwiebeln, nun bei geringerer Hitze darin glasig dünsten. Dann einen halben Liter Wasser und die Lorbeerblätter hinzufügen und unter Druck je nach Größe des Bratens ca.30 Minuten garen. Nebenbei in zwei extra Tiegeln die mit einer Gabel 6x angestochenen Würste und die Schweinebacke kochen. (Ca.25-30 min.)

Die Kartoffeln waschen, kochen und abpellen. (Das kann man auch am besten am Vortag erledigen.)
Die Schweinebacke schmeckt gut als warme oder kalte Beilage.
Den Kassler herausnehmen und warm stellen (zugedeckt in den warmen Backofen).
Den Grünkohl in den Kasslersud geben, durchrühren und abschmecken, am besten nochmals durchkochen (10 min. unter Druck).

Den Tisch decken! Das Essen auftragen  (in abgedeckten Schüsseln).

Die Pellkartoffeln in einer „Bratkartoffelpfanne= Stahl oder Gusseisen) in genügend heißem Öl rundum goldbraum braten, dabei pfeffern und salzen.
Dann erst den Zucker gleichmäßig darüber streuen und die Kartoffeln nach 2 Sekunden schnell mit Stahlpfannenheber wenden und wälzen. Spätestens nach 3 weiteren Sekunden sind sie von karamellisiertem Zucker überzogen und müssen sofort aus der Pfanne, die dazu vom Feuer genommen wird. Ich lege den Boden der Schüssel mit Küchenkrepp aus, damit das überschüssige Fett aufgefangen wird.
Und nun schnell zu Tisch und nicht zu schnell essen!
Guten Appetit!

Wer will und dat afkann, dörp sik uck een lüttjen Verdeeler gönnen!

Andrea Claussen

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