Claus Vahle (re.) mit Dr. Uwe Haupenthal bei der Eröffnung der Ausstellung

Zeitreise in die Studentenzeit

Ein Lächeln des Wiedererkennens breitet sich von Bild zu Bild mehr auf meinem Gesicht aus: "Ja, genau!" So war das nämlich!

So sahen wir die Welt, und tief in uns, den Alt- und Jungachtundsechzigern, ist da auch etwas Grundsätzliches geblieben. Wir können die Rose eben nicht ohne Dornen wahrnehmen. Wir decken Missstände auf und warnen. Ohne uns gäbe es einiges noch nicht und manches nicht mehr.

Aber auch: Nicht alles, was wir damals dachten, finden wir heute auch noch. Schließlich sind wir flexibel. Und ob der junge Claus Vahle (gesprochen mit F) in die Kommune I gezogen wäre, möchte ich bezweifeln, auch wenn, oder gerade weil er damals in Berlin lebte. Zuvor hatte er in Flensburg, Kiel und Stuttgart (auf Lehramt) studiert, sich aber neben der Lehrtätigkeit am Gymnasium immer als Künstler betätigt.

Wie so manch anderen zog es ihn und seine Frau in den Siebzigern von der damals noch eingeschlossenen Großstadt aufs Land. Die Wahl fiel auf Dithmarschen, wo beide viele Jahre lebten und arbeiteten. Die Tiere und der Kohl, die jetzt in seinen Bildern auftauchen, verdrängen die ohnehin schon relativ dünn gesäten Menschendarstellungen. Sie posieren selbstbewusst vor Angst einflößenden Symbolen einer bedrohlichen Zukunftsentwicklung: Düsenjäger, Atomkraftweke, oder vor mahnenden Relikten aus Deutschlands jüngerer Vergangenheit: Bunkerbeton ragt zwischen friedlich grasendem Nutzvieh und dem Deichgrün.

Später ist es der Müll: Umweltverschmutzung durch Plastikverpackungen. Heute wird die Brisanz des Themas langsam in den Medien wahrgenommen, Vahle hat sich schon vor mindestens 25 Jahren damit auseinandergesetzt.

Aber es gibt auch Stillleben, z.B. das Spargelbündel; aufrecht und schon verpackt steht es "auf deutscher Scholle". Und überlässt es dem Betrachter, sich seinen Teil zu denken. Deutlich mag die Absicht des Malers werden, betrachtet man Vahles Spargel-Aquarell mit dem hintersinnigen Titel "Naturprodukt" in diesem Zusammenhang.

In den Vitrinen sehen wir den Zeichner Vahle, und auch das ist ein lohnenswerter Aspekt.

Noch einmal zurück zum Beginn! Die ersten der fast ausnahmslos großformatigen Bilder, entstanden Ende der Sechzigerjahre, zeigen eine kräftige, leuchtende Farbgebung.  Viele sind von der Anmutung her Siebdrucke (Serigrafien), wie sie damals vor allem durch die jungen Künstler der amerikanischen PopArt wie Andy Warhol "populär" wurden. Diese tontrennende, flächige Drucktechnik bezog auch die Verwendung der Fotografie mit ein. Fotos wurden im Entwicklungsprozess hart abgezogen und z.T. auch solarisiert. Dann eventuell zu Collagen zusammengesetzt und wieder fotografiert. Mit den entstandenen Negativen wurden die mit lichtempfindlicher Flüssigkeit präparierten Siebe belichtet. Häufig wurde mit drei verschiedenen Sieben nacheinander auf ein Papier gedruckt.

Heute macht das Photoshop!

Anders Claus Vahle. Er malte, und zwar so genau, dass man wirklich dreimal hinsehen muss, ob es nicht doch ein Druck ist!

Eine ganze Reihe von Strandgut-Fundsachenbildern schließt sich an. Wie Stillleben oder Materialcollagen, hier scheint ein wenig Dada durch! Die späteren Bilder sind von der Farbgebung eher milchig und betonen die Unwirklichkeit wirklich existierender Dinge, wodurch deutlich wird, dass sie "fehl am Platze" sind.

Fast eine kleine Zeitreise ist diese Bilderschau des seit vielen Jahren als freier Künstler in Schleswig arbeitenden Claus Vahle.

Die Ausstellung ist im NordseeMuseum noch bis zum 16. Mai 2016 zu sehen. Di. bis So. von 11 bis 17 Uhr.

Andrea Claussen

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