Kreationismus

War Darwin ein Scharlatan?

Aus dem Nichts (Creatio ex nihilo) oder dem Chaos (Tohuwabuho) sollen wir stammen. Das ganze vor 6.000 Jahren. Der Mensch wurde in seiner jetzigen Form erschaffen, wie alle anderen Arten auch. Gefundene Fossilien sind durch die Sintflut entstanden, die vor 4.500 Jahren alles dahinraffte. Die Dinosaurier lebten mit den Menschen zusammen und sind erst kürzlich ausgestorben. Vegetarier sind wir bis zum Sündenfall gewesen und wir konnten 900 Jahre alt werden. Auch für die Krater auf dem Mond gibt es eine Erklärung: Hier haben sich Satan und die Engel eine Schlacht geliefert. Muss hoch hergegangen sein.

Es ist die Schöpfungsgeschichte, wörtlich genommen. Entstanden ist der Kreationismus im 19. Jahrhundert. Er richtete sich gegen die Naturwissenschaft und den daraus entstehenden Atheismus durch Darwins Evolutionstheorie. Zwischen 1928 und 1968 war das Lehren der Evolutionsbiologie in vielen amerikanischen Staaten per Gesetz als Irrlehre untersagt.

In den USA geht man von ca. 50% Anhängern dieser Glaubensrichtung aus. Religionsunterricht ist dort laut Verfassung verboten, Biologieunterricht aber nicht. Um dem ganzen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben, wurde das Creation Science Research Center in Kalifornien gegründet. Dort wird jetzt Genesisforschung betrieben. So versucht man, durch die Hintertür in die Schulen zu kommen. In Kansas hat man die Evolutionsbiologie aus dem Unterricht genommen und „lehrt“ dort die Schöpfungsgeschichte. Erfolglos hat man versucht, das berühmte naturwissenschaftliche Smithsonian Institut zu zwingen, die biblische Erdgeschichte aufzunehmen. Prominentester Vertreter in Amerika ist sicher der Ex-Präsident Ronald Reagan. Auch der derzeitige republikanische Kandidat für die Präsidentschaft Rick Santorum sieht die Evolutionsbiologie allenfalls als „alternatives Modell“ zur biblischen Schöpfungsgeschichte.

Aber auch in Deutschland gibt es sie, die Kreationisten, und sie haben Erfolge mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit. 2006 wollte die hessische Kultusministerin Karin Wolff die Schöpfung neben der Evolution unterrichten lassen. Die Kinder sollten nicht durch unterschiedliche Modelle im Biologie- und Religionsunterricht „verwirrt“ werden. Unterstützung erhielt sie vom Augsburger Bischof Walter Mixa. Die „Studiengemeinschaft Wort und Wissen“ vertreibt ein Buch namens „Schöpfung oder Evolution?“ und versucht dieses an Schulen unterzubringen. Für den Unterricht ist es nicht zugelassen, aber als „Spenden“ landet es neben anderen Werken dieser Studiengemeinschaft in Schulbibliotheken. Der ehemalige thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) bezeichnete es als „gutes Beispiel für werteorientierte Bildung“. Man geht in Deutschland von ca. 1,3 Millionen Anhängern dieser Lehre aus.

Die also stammen wenigstens nicht vom Affen ab.

Ole P. Hansen

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Dorle Obländer

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