Die Menschheit schafft sich ab

Insektensterben, verschmutzte Luft und tausende toter Menschen. Dazu Politiker, die sich einen Dreck um unser Grundgesetz scheren.

Zwischen 1989 und 2016 ist ein Rückgang von über 75% bei den Fluginsekten festzustellen, so eine Studie von Caspar Hallmann von der Radboud-Universität in Nimwegen. Motten, Wespen, Bienen, Schmetterlinge und andere Fluginsekten sind betroffen. Die Insekten sind wichtig für die Bestäubung von Wildpflanzen, 60% unserer heimischen Vögel ernähren sich von Insekten. Wer ist für ihre Dezimierung verantwortlich? Diese Frage führt mal wieder ins Nichts. Landwirtschaftliche Monokulturen, die zur Verarmung und Zerstörung der Lebensräume führen, oder der Klimawandel sind sicher beteiligt. Solange das nicht eindeutig geklärt werden kann, wird sich niemand freiwillig verantwortlich fühlen.

Schon länger belegen Studien, dass es starke Einbrüche bei den Bienenpopulationen gibt. In europäischen Graslandschaften ist ein Rückgang der Schmetterlinge von 50% beobachtet worden, auch schon lange bekannt (Studie 1990-2011). Die Politik sieht hier offensichtlich keinen erhöhten Handlungsbedarf. Aber ohne Insekten können wir nicht überleben.

Wie kann das angehen? Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass es wichtigere Probleme gibt, zum Beispiel die Rettung unserer Automobilindustrie. Deren hochkriminelle Manipulationen, von den Politikern verniedlichend als Schummeleien abgetan, verpesten unsere Luft. Zwischen 44.000 und 52.000 Menschen (je nach Quelle) sterben in Deutschland jährlich durch die Verschmutzung der Außenluft, insgesamt gibt es mindestens 62.000 Tote durch Umweltbelastungen. Weltweit sterben jährlich 9 Millionen Menschen durch den Dreck, den Industrialisierung und Globalisierung verursachen. Die Zahlen sind mit Sicherheit noch erheblich höher, da die ganzen toxischen Substanzen, die wir in die Umwelt entlassen, überhaupt nicht ausreichend untersucht sind. Wie die alle auch noch untereinander reagieren, wird bei der großen Zahl auch nie herauszufinden sein. Hier werden bewusst Körperverletzungen und Todesfälle in Kauf genommen, um die Profite der Großkonzerne nicht zu gefährden. Das Argument, dass es dabei nur um Arbeitsplätze ginge, zieht nicht. Was nützt mir ein gutbezahlter Job, wenn ich mit diesem nur mein eigenes Grab schaufele? Aufgabe unserer Politiker ist es nicht, das Kapital dieser Konzerne zu schützen, wenn dadurch Menschen zu Schaden kommen. Und doch dürfen sie es offensichtlich ungestraft tun.

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit gehört zu den Grundrechten eines Menschen im Geltungsbereich des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. Es wird zusammen mit dem Recht auf Leben und dem Recht auf Freiheit der Person in Art. 2 Abs. 2 GG garantiert.

Hinzu kommt, wenig beachtet, die Landwirtschaft. Stickoxide des Straßenverkehrs verbinden sich mit dem durch die Gülle ausgebrachten Ammoniak zu aggressivem Feinstaub. Außerdem belastet die Gülle unsere Böden und Gewässer.

Das Umweltbundesamt schreibt dazu:
Emittenten

Die Landwirtschaft ist mit einem Anteil von etwa 95 Prozent Hauptemittent des Luftschadstoffs Ammoniak in Deutschland. Gemäß der Emissionsberichterstattung 2013 stammt der überwiegende Teil der landwirtschaftlichen Ammoniak-Emissionen aus der Rinderhaltung (52 Prozent), der Schweinehaltung (20%), der Geflügelhaltung (9%) sowie der Mineraldüngeranwendung (15%). In der Schweinehaltung entsteht der Großteil der Emissionen direkt im Stall, in der Rinderhaltung bei der Wirtschaftsdüngerlagerung und -ausbringung.

Umweltwirkungen

Ammoniak und das nach Umwandlung entstehende Ammonium schädigen Land- und Wasserökosysteme erheblich durch Versauerung und Eutrophierung (Nährstoffanreicherung). Bodenversauerung und Nährstoffüberversorgung natürlicher und naturnaher Ökosysteme (wie zum Beispiel Moore, Magerstandorte, Gewässer) durch reaktiven Stickstoff können zu Veränderungen der Artenvielfalt führen. Besonders hohe Ammoniakkonzentrationen in der Umgebung von großen Tierhaltungsanlagen können zu direkten Schäden an der Vegetation führen. Nach Verlust in die Umwelt kann sich Ammoniak über die Stickstoffkaskade auch in eine der zahlreichen anderen umweltwirksamen stickstoffhaltigen Verbindungen umwandeln, mit negativen Folgen für die Qualität der Atemluft (Bildung von Feinstaub und Ozon), die Wasserqualität (Nitrat in Grundwasser) und die Verschärfung des Klimawandels (Lachgas).

Also alles bekannt. Schon lange bekannt.

Nach den Wahlschlappen der letzten Zeit werden diese Themen auch weiterhin auf der Agenda ganz unten stehen bleiben. Flüchtlingsproblematik und Bildungsoffensiven werden jetzt heiß diskutiert. Auch wichtig, es liegt so vieles im Argen. Jetzt geht es aber erst mal um Machterhalt, die populistisch manipulierten Randgruppen müssen wieder eingefangen werden. Oder wie die Politiker es nennen, die rechten Flanken müssen geschlossen werden. Aber sehenden Auges unsere Lebensgrundlagen zu zerstören, ist einfach unfassbar menschenverachtend. Und so wird einfach weitergestorben.

Wolfgang Claussen

(Fotos pixabay) 

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